• 23Sep
    Category: Projekte Forschung

    Schulische Kommunikationskulturen in der Informationsgesellschaft
    Die Bedeutung des Internet für schulische Lehr- und Lernprozesse stand im Zentrum dieses explorativen Forschungsprojektes im Auftrag des österreichischen Bildungsministeriums, das im Februar 2009 abgeschlossen wurde. Ziel des Projektes war es, jene kommunikativen Praktiken zu identifizieren und im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen unserer vernetzten Informationsgesellschaft zu werten, die sich bei SchülerInnen und LehrerInnen im Kontext von Internet und Schule herausgebildet haben.

    Die österreichweite Datensammlung erfolgte in Form offener Gruppendiskussionen mit LehrerInnen und SchülerInnen zu je vier bis fünf Personen an zehn Schulen unterschiedlichen Typs. Insgesamt wurden 26 Gruppengespräche mit insgesamt 117 SchülerInnen der achten und zehnten Schulstufe sowie zehn Gespräche mit insgesamt 47 LehrerInnen geführt.

    Neben einer Vielzahl von Detailergebnissen in Form von Handlungs- und Bewertungstypologien, konnten einige wesentliche Thesen entwickelt werden:

    • Unterschiedliche Zugänge zu Vertrauen in Informationsquellen generieren Kommunikationsprobleme zwischen LehrerInnen und SchülerInnen: Erstere Vertrauen in institutionell geprägte Entstehungskontexte von Information, zweitere in offene, ‚basisdemokratische’ Formen der Wissensproduktion.
    • Bei schulischen Arbeiten, bei denen auf das Internet als Informationsquelle zugegriffen wird, findet oftmals keine Beurteilung der Qualität von Information statt. Die SchülerInnen ‚lernen’ dadurch, dass diese irrelevant sei. Entsprechend wird sehr viel weniger Energie in den Inhalt von Ausarbeitungen investiert als in das äußere Erscheinungsbild.
    • Viele LehrerInnen verfügen durchaus über ausreichend Erfahrungswissen zum Internet, jedoch kaum über methodisch-didaktisches Wissen. Ersteres stellt für sie jedoch keinen Wert da, weshalb sie vor der Einbindung des Internet in den Unterricht zurückschrecken.
    • Mit der Einbindung des Internet in den Unterricht ist eine Angst vor Kontrollverlust der LehrerInnen verbunden, die einerseits aus einem Misstrauen in Technik, andererseits aus der Universalität und Offenheit des Netzes resultiert.
    • Internetbasierte Kommunikationsnetzwerke von SchülerInnen dienen sowohl als Unterstützungs- als auch Inhibitionsnetzwerke, da sie die Erledigung schulischer Aufgaben sowohl aktivieren als auch hemmen können.
    • Internetgebrauch hat sowohl zeitsparende wie auch zeitraubende Effekte: SchülerInnen brauchen mit dem Internet ‚netto’ weniger Zeit, um ihre Aufgaben zu erledigen. Gleichzeitig fühlen sie jedoch einen höheren kognitiven Aufwand, da sich der Zeitraum innerhalb dessen sie sich mit schulischen Aufgaben auseinandersetzen durch Ablenkung – vor allem durch soziale Kommunikationsanforderungen – streckt. Die Länge der so gefühlten ‚Brutto’-Zeit führt oftmals zu Stress und Ermüdungserscheinungen.

    Im Rahmen der Integration des Internet in die Schule zeigen sich eine Reihe von Problemfeldern. Die unterschiedliche Bedeutung des Internet für SchülerInnen und LehrerInnen, die sich in entsprechend differenten Nutzungsgewohnheiten niederschlägt ist aber auch ein Potential für zukünftige Entwicklungen. Für die Politik und Schuladministration bedeuten diese Ergebnisse jedenfalls große Handlungsnotwendigkeit hinsichtlich der Bewusstseinschaffung und Kompetenzbildung bei LehrerInnen einerseits und  der Verbesserung der Rahmenbedingungen zum Einsatz des Internet im Unterricht andererseits.

    Auftraggeber: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur / Medienpädagogik
    Durchführung: Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien
    Wissenschaftliche Leitung: Univ. Prof. Dr. Thomas A. Bauer
    Wissenschaftliche Mitarbeit: Mag. Axel Maireder, Mag. Manuel Nagl
    Laufzeit: Oktober 2007 – Februar 2009

    Die Veröffentlichung des Projektberichtes durch das Bundesministerium ist für Juni 2009 geplant.

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Kommunikation ist ein weites Feld:

Es gibt mehr zu tun als man denkt. Es gibt mehr zu denken als man tut

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There is more to do than one thinks. There is more to think than one does

Communicação é um vasto Universo:

HÁ mais a se fazer do que se pensa. HÁ mais a se pensar do que se faz