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    Buchcover Kommunikation wissenschaftlich denken

    Kommunikation wissenschaftlich denken

    Thomas A. Bauer
    Kommunikation wissenschaftlich denken
    Perspektiven einer kontextuellen Theorie gesellschaftlicher Verständigung

    ISBN: 978-3-205-78194-3

    Informationen beim Verlag: Böhlau

    Die Kommunikations- und Medienwissenschaft hat Aufholbedarf. Sie hinkt hinterher: Der gesellschaftliche Wandel ist schneller als wir ihn begreifen, grundsätzlicher als wir ihn verstehen und umfänglicher als wir ihn erfassen. Das liegt nicht am Tempo des Wandels, sondern an der Objektverlorenheit und an der damit verbundenen Detaillust der Wissenschaft. Es ist nicht das zeitliche Tempo, das aufzuholen wäre, sondern das begriffliche Tempo einer theoretischen Landschaft, in der sich Gesellschaft, Kultur und Kommunikation nicht wie zueinander eigene Objekte gegenüberstehen und das eine fürchtet vom anderen überrascht zu werden. Es braucht eine wissenschaftstheoretisch gekennzeichnete, hermeneutisch mutige und eine von ihrer Interpretationskompetenz durch Reflexion überzeugte und überzeugende Theorienlandschaft, in der Gesellschaft, Kultur, Kommunikation, Medien, Organisation und Wandel als begrifflich relationale und kontextualisierte Positionen der Beobachtung der kommunikativen Routinen der Gesellschaft gedacht werden, um die wissenschaftlich gedachte und kritisch-theoretisch reflektierte Begrifflichkeit bewusst vom Affirmationsdruck der Logik alltäglicher Beschreibungsmetaphern frei zu spielen. Kommunikationswissenschaft ist Interventionswissenschaft. Dieses Terrain muss sie wissenschaftstheoretisch und konzepttheoretisch neu unter Beweis stellen.

    Thomas A. Bauer skizziert in „Kommunikation wissenschaftlich denken“ ein kontextuelles Modell der theoretischen Kennzeichnung des Verhältnisses von Kultur, Kommunikation und Gesellschaft sowie der Beschreibung der inneren Beziehung von Medien und Wandel, das wissenschaftstheoretisch begründet, bewusst den theoretisch-methodologischen Abstand sucht zu den nun schon zu lange geübten und so vor allem in Ausbildungscurricula zu üblich gewordenen marktlogischen oder industrietypischen Auslegungsschemata. Sein Zugang folgt der postmodernen Tradition, den wissenschaftlichen Verwertungswert des Denken nicht an der Objektfassung des Ergebnisses, (was ist Kommunikation?), sondern an der Objektivierung der kulturellen Konzeption (wie denkt man über Kommunikation?) zu messen. In diesem Sinne versteht er Kommunikationswissenschaft nicht als wissenschaftliche Objektivierung von Kommunikation (Objektwissenschaft), sondern als hermeneutisch positionierte Beobachtung der Beobachtungskontexte des gesellschaftlichen Alltags (Konzeptwissenschaft).

    In diesem Sinne setzt das Buch „Kommunikation wissenschaftlich denken“ in drei thematisch beschriebenen Arenen des theoretischen Denkens (Kommunikation wissen, Medien verstehen, Gesellschaft wandeln) folgende Botschaften:

    1. Das emanzipatorische Potenzial transitorischer Theorie: Denkt man Kommunikation theoretisch als ein Vorstellungsmodell (der Sinn-Bestimmung der unbekannten Größen) von sozialer Existenz, dann muss (und kann) die Theorie nicht erklären, was Kommunikation ist, sondern warum man Kommunikation – eingebettet in kulturell, sozial und situativ bestimmte Kontexte – so denkt, wie man sie denkt und welche Veränderungspotenziale sich daraus erschließen lassen.
    2. Entgrenzung des Medienbegriffs: Versteht man Kommunikation als das Konstitutions- und Konstruktionsmuster von Gesellschaft (sozialer Wirklichkeit), dann ist das, was man theoretisch als Medium der Kommunikation beschreiben kann, nicht ein strukturelles Dazwischen, sondern die sozial-kulturelle Deutung des Arrangements sozialer Praxis, das theoretisch aber nicht (erst) als Medium oder als Medien Relevanz hat, sondern seit je schon als Medialitätsmodus von Kommunikation und Gesellschaft.
    3. Wandel als intrinsisches Prinzip der Beobachtung: Gesellschaftlicher Wandel passiert nicht gegenüber dessen Beobachtung, sondern als konzeptuelles Interesse der Beobachtung.

    Das Buch enthält neben diesen drei Kapiteln ein viertes, das als umfassendes Glossar angelegt ist. Darin werden die für die in diesem Buch vorgelegte Konzeption der kontextuellen Theorie von Kommunikation, Medien und Gesellschaftswandel relevanten Begriffe spezifisch vertieft werden. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis weist nicht nur die Bezüge des Denkens aus, sondern versteht sich auch als Anregung weiterer Vertiefung und Differenzierung.

    Der Autor ist erreichbar: thomas.bauer@univie.ac.at

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Kommunikation ist ein weites Feld:

Es gibt mehr zu tun als man denkt. Es gibt mehr zu denken als man tut

Communication is a wide universe:

There is more to do than one thinks. There is more to think than one does

Communicação é um vasto Universo:

HÁ mais a se fazer do que se pensa. HÁ mais a se pensar do que se faz