• 18Sep
    Category: Projekte Forschung

    Exploratives Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der sozialen Zusammenhänge zwischen Mediengebrauch und sozialem Verhalten von Jugendlichen in der Schule, insbesondere im Hinblick auf Gewalt im Auftrag des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK). Laufzeit Dezember 2008 – April 2010

    Aus dem Projektantrag:

    Erkenntnisziele

    In starker Orientierung an das in der Generalstrategie verfolgte Konzept der „evidence based practice“ besteht das Erkenntnisziel des Forschungsprojektes darin, durch einen aktionszentrierten Forschungsansatz die wissenschaftlichen Erkenntnisse um Entstehungsbedingungen, Handlungs- und Umgangsformen sowie die Konsequenzen von Gewalt in der Schule im Kontext von Medien derart in Aktions- und Interaktionsprogramme einzubetten, um letztere in einem nächsten Schritt mittels etablierten, wissenschaftlichen Analysewerkzeugen auf deren Effektivität und Änderungspotential hin evaluieren zu können. Nur durch eine solchen aktionszentrierten, sich selbst evaluierenden Forschungsansatz ist es möglich, die Rolle der Medien einerseits als Treiber, Multiplikatoren und Schauplätze und andererseits als reduzierende, sensibilisierende, präventive sowie intervenierende Instanzen im Hinblick auf Gewalt in der Schule zu verstehen.

    Im Rahmen der Studie sollen daher

    a. die Denk-, Fühl- und Handlungsvorgänge von SchülerInnen in der Beurteilung und Ausführung von bzw Kommunikation über Gewalt und Medien rekonstuiert werden
    b. die Handlungskontexte und Mechanismen identifiziert werden, in denen sich Gewalt in der Schule als direkte oder indirekte Reaktion auf mediale Gewalt manifestieren kann;
    c. die Mechanismen, mittels derer Medien durch Verstärkung und Pointierung gesellschaftlicher Entwicklungen und Trends, ein Umfeld für Gewalt aufbereiten, aufgezeigt werden;
    d. die Bedingungen skizziert werden, unter denen Medien ein Klima bereitstellen, in dem sich bestimmte Formen von Gewalt und Aktions-/Interaktionsmuster im individuellen und kommunikativen Umgang mit Gewalt etablieren können, die zu neuen Ausprägungen von Gewalt in der Schule führen, insbesondere im Hinblick auf neue Informations- und Kommunikationstechnologien.
    e. die Wirksamkeit und das Veränderungspotential im Sinne der Nachhaltigkeit von direkt aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen abgeleiteter Präventions- und Interventionsprogramme evaluiert werden und schließlich
    f. diejenigen Herausforderungen für das bzw. im System Schule und dessen Lehr- und Lernkultur geklärt werden, die durch schulische Gewalt im Kontext der neuer Informations- und Kommunikationstechnologien entstehen können.

    Verwertungsziele

    Im Kontext der Problemstellung und in Anbetracht der Tatsache, dass der kompetente Umgang mit Gewalt in einer Leistungs- und Informationsgesellschaft in der ständig neue Formen der Gewaltrezeption und –ausübung entstehen, immer bedeutender wird, verfolgt das Forschungsprojekt folgende Verwertungsziele:

    A. Einbindung der Erkenntnisse zur Rolle der Medien bei Gewalt in der Schule in die Generalstrategie und die dort vorgeschlagenen Präventionsprogramme;

    B. Die Sensibilisierung der Stakeholder (lt. Generalstrategie) für die Bedeutung der Medien im Kontext des Problembereiches Gewalt in der Schule;

    C. Vorschläge für die Neu- und Weiterentwicklung von Programmen zur Sensibilisierung für das Thema Medien und Gewalt in der LehrerInnenaus- und Fortbildung;

    D. Die Einbindung des Themas in die Entwicklung von medienpädagogischen Programmen für die Vermittlung an die SchülerInnen im Rahmen von Medienerziehung, Ethik und politische Bildung.

    Methode

    Im Zentrum des Forschungsdesign steht die Arbeit mit Jugendlichen unterschiedlicher Altersgruppen und die damit verbundene Rekonstruktion von Bedeutungs­zusammenhängen zum Themenbereich Gewalt in der Schule und den Medien, insbesondere neuer Informations- und Kommunikationstechnologien. Gleichzeitig soll das gewählte Design den SchülerInnen die reflexive Auseinandersetzung mit dem Thema erlauben und dient entsprechend auch als Test für die Praxis von Kommunikationsmaßnahmen von Seiten der Schulen. So wurde für die Arbeit mit den Jugendlichen das Design multimethodischer Workshops gewählt, die sowohl geeignet sind sich dem wissenschaftlichen Erkenntnisziel zu nähern als auch den SchülerInnen eine für sie spannende und lehrreiche Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen, die sich im Sinne eines Gewaltsensibilisierungsprogramms nachhaltig auf die Kommunikations- und Handlungspraxis im Klassenverband niederschlagen soll und als solche auch einer Evaluation zugänglich ist.

    Das Forschungsdesign ist in fünf Phasen unterteilt, in deren Zentrum drei wissenschaftlich eng verknüpfte aber organisatorisch eigenständig planbare Module stehen, die jeweils verwertbare Zwischenergebnisse liefern. Auf Basis dieser können aufeinander aufbauend Handlungsprinzipien im Hinblick auf einen für das Ende der Studie geplanten Maßnahmenkatalog zur Gewaltprävention bzw. –sensibilisierung abgeleitet werden.

    Das erste Modul dient der Exploration des Themas und der Erfassung der unterschiedlichen Problembereiche, der (zugeschriebenen) Gründe, Prozesse, Konsequenzen von Gewalt im Kontext von Medien. Dabei stehen sowohl LehrerInnen als auch ExpertInnen (SchulpsychologInnen, BildungsexpertInnen etc.) im Zentrum der Betrachtung.

    Die daraus folgenden Ergebnisse fliessen anschliessend in die Planung und Vorbereitung des Moduls 2 ein. Ab diesem Zeitpunkt stehen die SchülerInnen im Mittelpunkt des Interesses. So dient Modul 2 wissenschaftlich der Rekonstruktion jener Bedeutungszusammenhäng die zum Thema für die SchülerInnen von Relevanz sind, praktisch der Auseinandersetzung der SchülerInnen mit dem Thema als Präventionsprogramm im Rahmen von multimethodischen Workshops.

    Mit Modul 3 wollen wir anschliessend sowohl den Effekt dieser Auseinandersetzung evaluieren, als auch den Veränderungen von Bedeutungszusammenhängen und der Kommunikations- und Handlungspraxis im Zeitverlauf (seit Modul 2) auf die Spur kommen. Der Abstand zwischen Modul 2 und Modul 3 beträgt dabei mehrere Monate, da weniger von kurz- als von mittelfristigen Veränderungen auszugehen ist. Diese Vorgangsweise empfiehlt sich auch durch die Erfahrungen mit dem Projekt WiSK von Atria / Strohmeyer / Spiel (Generalstrategie, S. 60ff.)

    Abgerundet und abgeschlossen wir das Projekt mit ExpertInnengesprächen, deren Expertise vor allem in die integrative Ausarbeitung von umfassenden Vorschlägen für Maßnahmen in der Schule zum Tragen kommt.

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